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Salz im Bauwesen

Stand: 24.09.2026 · Falco Witschel
Kellerecke mit Salzausblühungen und Feuchtespuren am Putz
KI-generiertes Symbolbild

Weiße Ausblühungen am Sockel, abgesprengter Putz, Wände, die nicht trocknen wollen: Hinter vielen Mauerwerksschäden stecken bauschädliche Salze. Dieser Beitrag erklärt, woher Sulfate, Chloride und Nitrate kommen, wie sie Baustoffe zerstören und feucht halten und mit welchen Verfahren sich Salzart, Salzgehalt und Mauerwerksfeuchte bestimmen lassen. Er richtet sich an Eigentümer und Verwalter, die eine Salzbelastung verstehen oder eine Sanierung vorbereiten wollen.

Entstehung und Umwandlung von Salzen

Entstehung

Salze sind chemisch betrachtet Ionenbindungen, neben Metall- und Atombindung eine der drei Grundbindungsarten:

  • Salz = Metall-Ion + Säurerest-Ion
  • Kation + Anion
  • positiv geladen + negativ geladen

Umwandlung

Aus Base und Säure entstehen Salz und Wasser. Ein Beispiel aus dem Mauerwerk ist die Reaktion von Calciumhydroxid mit Kohlensäure aus der Luft:

Ca(OH)₂ + H₂CO₃ → CaCO₃ + 2 H₂O

Calciumcarbonat ist in reinem Wasser kaum löslich. Erst in kohlensäurehaltigem Wasser geht es als Calciumhydrogencarbonat in Lösung und kann vom Wasser durch den Baustoff transportiert werden. Die Aufspaltung der Ionenbindung in wässriger Lösung heißt Dissoziation.

Greift dagegen Schwefelsäure, etwa aus Luftschadstoffen, kalkhaltige Baustoffe an, entsteht Gips:

Ca(OH)₂ + H₂SO₄ → CaSO₄ · 2 H₂O

Verdunstet das Wasser, kristallisiert das gelöste Salz aus. Die Kristalle brauchen mehr Platz als die Lösung, der Druck sprengt das Gefüge des Baustoffs.

Legende

  • Ca(OH)₂: Calciumhydroxid
  • H₂CO₃: Kohlensäure (schwache Säure, aus der Luft)
  • CaCO₃: Calciumcarbonat
  • H₂O: Wasser
  • H₂SO₄: Schwefelsäure (starke Säure)
  • CaSO₄: Calciumsulfat
  • CaSO₄ · 2 H₂O: Gips (Calciumsulfat-Dihydrat)

Bauschädliche Salze

Bauschädlich sind vor allem Sulfate, Chloride und Nitrate. Jedes Salz hat eigene Eigenschaften. Für eine gezielte und dauerhafte Sanierung ist es deshalb unerlässlich zu wissen, welche Salze vorhanden sind. Die wichtigsten Salze im Überblick:

Kation \ Anion Sulfat (sehr kristallisierend) Chlorid (sehr hygroskopisch) Nitrat (kristallisierend und hygroskopisch)
Magnesium Magnesiumsulfat (Bittersalz), häufige Wechsel der Hydratstufen Magnesiumchlorid, stark hygroskopisch Magnesiumnitrat, hygroskopisch, kristallisationsaktiv
Calcium Calciumsulfat (Gips), einmalige Volumenzunahme, hygrische Dehnung Calciumchlorid, stark hygroskopisch Calciumnitrat (Mauersalpeter), hygroskopisch, kristallisationsaktiv
Natrium Natriumsulfat (Glaubersalz), häufige Wechsel der Hydratstufen Natriumchlorid (Speisesalz), hygroskopisch Natriumnitrat (Natronsalpeter), hygroskopisch, kristallisationsaktiv
Kalium Kaliumsulfat, häufige Wechsel der Hydratstufen Kaliumchlorid (Kalisalz), wenig hygroskopisch Kaliumnitrat (Kalisalpeter), wenig hygroskopisch
Ammonium Ammoniumsulfat, stark betonschädigend Ammoniumchlorid (Salmiak), stark betonschädigend Ammoniumnitrat (Ammonsalpeter), hygroskopisch

Anionen

  • SO₄²⁻: Sulfat
  • Cl⁻: Chlorid
  • NO₃⁻: Nitrat

Kationen

  • Mg²⁺: Magnesium
  • Ca²⁺: Calcium
  • Na⁺: Natrium
  • K⁺: Kalium
  • NH₄⁺: Ammonium

Quellen von Salzen

Kationen-Quellen

Calcium

  • Baustoffe wie Kalkmörtel, Beton und kalkhaltige Natursteine
  • trockene Ablagerungen (Deposition) wie Industriestaub oder Baustofflager
  • Grundwasser mit hoher Härte, Spritzwasser

Magnesium

  • Baustoffe wie dolomithaltige Mörtel und Natursteine sowie Ziegel; Dolomit ist chemisch ein Calcium-Magnesium-Carbonat
  • trockene Ablagerungen wie Industriestaub oder Baustofflager
  • Grundwasser mit hoher Härte, Spritzwasser
  • Düngemittel
  • Winterdienst mit Magnesialauge auf nahen Straßen; das ist in der Regel eine wässrige Magnesiumchlorid-Lösung

Natrium und Kalium

  • zement- und trasshaltige Baustoffe
  • Tausalze auf Wegen, im Grund- und Spritzwasser sowie im Mörtel
  • frühere Behandlungen mit Natrium- oder Kaliumwasserglas und alkalischen Materialien (heute unüblich)

Ammonium

  • Harnstoffe, zum Beispiel aus Tierhaltung oder Toiletten
  • Düngemittel

Anionen-Quellen

Sulfat (Schwefel)

  • Luftverunreinigung durch Verbrennung schwefelhaltiger Kohle und schwefelhaltigen Erdöls (Industrie, Hausbrand)
  • Baustoffe (gipshaltige Baustoffe, gebrannte Ziegel)
  • Grundwasser und Spritzwasser

Nitrat

  • Düngemittel, Tierhaltung und Verwesungsprodukte (Friedhofsumfeld)
  • Fäkalien (Toiletten)
  • Ablagerungen aus Luft und Regenwasser, besonders bei Tierhaltung in der Umgebung
  • Grundwasser
  • Autoabgase und andere Hochtemperaturverbrennungen

Chlorid

  • Tausalze auf Wegen und im Mörtel
  • Salzsäurehaltige Reinigungsmittel
  • Luftverschmutzung, etwa aus der Verbrennung von Polyvinylchlorid
  • Grundwasser und Spritzwasser

Wie Salze Schaden anrichten

Kristallisationsdruck

Kristallisationsdruck entsteht, wenn gelöste Salze in den Poren auskristallisieren und dabei Druck auf die Porenwände ausüben. Das geschieht vor allem in der Verdunstungszone: Wasserlösliche Salze wandern mit der Feuchte in den Baustoff, das Wasser verdunstet, das Salz bleibt und wächst als Kristall.

Hydratationsdruck

Hydratationsdruck entsteht, wenn Salze Wasser in ihre Kristallstruktur einbinden und dabei ihr Volumen vergrößern. Ein Beispiel ist Calciumsulfat: Nimmt das Halbhydrat oder der Anhydrit Wasser auf, entsteht das Dihydrat Gips, und das Volumen wächst. Salze mit häufig wechselnden Hydratstufen wie Natrium- oder Magnesiumsulfat sind deshalb besonders zerstörerisch: Sie pumpen bei jedem Feuchtewechsel gegen das Porengefüge.

Hygroskopie

Hygroskopische Salze ziehen Wasserdampf aus der Luft an. Ein salzbelasteter Baustoff wird dadurch schon bei normaler Raumluftfeuchte feucht und bleibt es, ganz ohne Leckage oder aufsteigende Feuchte. Das gelöste Salz wandert mit der Feuchte weiter durch den Baustoff und weitet die belastete Zone aus. Typisch sind dunkle, klamme Flecken, die mit der Luftfeuchte kommen und gehen.

Wasser in Baustoffen

Chemisch gebundenes Wasser

Bestandteil chemischer Verbindungen, zum Beispiel im Zementstein. Es wird erst bei hohen Temperaturen ausgetrieben, dabei wird der Baustoff geschädigt. Für die Feuchtemessung spielt es keine Rolle.

Hydratwasser

In Salzkristalle eingelagertes Wasser. Es wird schon bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen ab etwa 45 °C ausgetrieben, bei Gips zum Beispiel beim Brennen zu Halbhydrat. [PRÜFEN: Temperaturangabe mit Quelle oder Beispielsalz belegen] Das ist eine bekannte Fehlerquelle der Darr-Methode an salzhaltigen Proben.

Wasser in Gelporen

Gelporen sind extrem kleine Poren im Nanometerbereich. Das Wasser darin ist über Wasserstoffbrücken so fest gebunden, dass es erst bei hohen Temperaturen entweicht. Auch dieses Wasser ist für Schadensbetrachtungen kaum mobilisierbar.

Kritisch: Wasser in Kapillar- und Luftporen

  • Kapillarkondensation in größeren Poren
  • Kapillarsog und Adsorptionswasser
  • mobiles Wasser

Dieses Wasser ist beweglich, transportiert Salze und steht für Pilze, Frost und Salzschäden zur Verfügung. Es ist das Wasser, um das es bei Feuchteschäden geht.

Deliqueszenzfeuchte

Die Deliqueszenzfeuchte ist eine Art Gleichgewichtsfeuchte, bezogen auf Salze: Sie gibt an, ab welcher relativen Luftfeuchte ein Salz Wasser aus der Luft zieht und in Lösung geht. Darunter liegt es kristallin vor.

Beispiel bei 20 °C: Ein Raum hat 50 % relative Luftfeuchte. Kalksalpeter (Calciumnitrat-Tetrahydrat) hat eine Deliqueszenzfeuchte von 54 %, Calciumchlorid-Hexahydrat eine von 33,7 %. Bei 50 % Raumluftfeuchte liegt der Kalksalpeter also kristallin vor, das Calciumchlorid dagegen in wässriger Lösung. Die Wand mit Calciumchlorid bleibt feucht, obwohl der Raum normal genutzt wird.

Porenarten

  1. geschlossene Poren, dazu Gelporen und chemisch gebundenes Wasser
  2. Kapillarporen: transportieren Feuchte kapillaraktiv entgegen der Schwerkraft; je feiner die Pore, desto höher steigt die Feuchte; kapillaraktiv sind Poren etwa von 0,1 µm bis 1 mm [PRÜFEN: Porengrößen-Spanne, das Original nannte 0,1 bis 100 µm]
  3. Sackporen: münden in einer Sackgasse
  4. Kugelporen und Luftporen: großvolumige Poren, die den Kapillartransport unterbrechen
Schema der Porenarten: 1 geschlossene Poren, 2 Kapillarporen, 3 Sackporen, 4 Kugelpore
Porenarten im Baustoff

Brownsche Molekularbewegung

Die Wasserdampfdiffusion in einem Baustoff beruht auf der Brownschen Molekularbewegung: der zufälligen, ungerichteten Bewegung kleinster Teilchen in Flüssigkeiten und Gasen. Die Teilchen streben einen Ausgleich an, von hoher zu niedriger Konzentration, bis ein Gleichgewichtszustand erreicht ist. Die Wasserdampfdiffusion zwischen Außen- und Innenluft hängt damit ab von:

  • Konzentrationsgefälle
  • Luftdruck
  • Temperatur
  • Porosität des Baustoffs

Kapillartransport

Der Kapillartransport, also die Wanderung von Feuchte durch den Baustoff auch entgegen der Schwerkraft, hängt neben der Größe der Kapillarporen vom Benetzungswinkel der Flüssigkeit ab. Je flacher der Benetzungswinkel, desto stärker die Kapillarität. Wird ein Baustoff hydrophobiert, vergrößert sich der Benetzungswinkel deutlich, der kapillare Transport kommt zum Erliegen. Perlt Wasser sichtbar ab, liegt der Benetzungswinkel nahe 180°.

Salzuntersuchungen

Warum prüfe ich Schäden vor einer Instandsetzung auf Salzart und Konzentration? Jedes Salz hat andere Eigenschaften, und daraus folgen andere Maßnahmen. Sulfate kristallisieren stark und zerstören den Baustoff, sind aber meist nur oberflächennah in bedenklicher Konzentration vorhanden. Chloride sind sehr hygroskopisch und halten das Bauteil feucht. Nitrate können beides: Feuchte anziehen und durch Kristallisation schädigen, oft über den gesamten Bauteilquerschnitt.

Damit eine Sanierung dauerhaft trägt, müssen Salzart, Konzentration und Salzquelle analysiert werden. Mögliche Sanierungsmaßnahmen sind:

  • Bauwerksabdichtung gegen nachdrückende Feuchte
  • Sanierputz als salzspeichernder Putz
  • Salzreduzierung (Absalzung), siehe unten
  • flankierend: Nutzung und Lüftung anpassen, Verdunstungszonen entschärfen

Salzreduzierung (Absalzung)

Absalzen heißt, die Salzfracht im oberflächennahen Mauerwerk zu verringern. Ganz entsalzen lässt sich ein Bauteil in der Praxis nicht, aber die schadensrelevante Zone lässt sich deutlich entlasten:

  • Trockenes Entfernen der Ausblühungen: Salzkrusten abbürsten oder abkehren, nicht abwaschen. Wasser löst das Salz und transportiert es zurück in den Baustoff.
  • Kompressen: Zellulose- oder Spezialkompressen werden feucht auf die Fläche aufgebracht. Beim Austrocknen wandert die Salzlösung in die Kompresse und kristallisiert dort. Der Vorgang wird wiederholt, bis die Belastung deutlich sinkt.
  • Opferputz: Ein bewusst kurzlebiger Putz nimmt die Salze auf und wird nach ein bis zwei Jahren samt Salzfracht entfernt und erneuert.
  • Sanierputz: Ein Putzsystem mit hohem Porenvolumen speichert Salze im Putz und hält die Sichtfläche länger schadensfrei. Er ist Salzspeicher, keine Abdichtung: Ohne Klärung der Feuchtequelle ist auch ein Sanierputz irgendwann voll.

Einfache Verfahren

Quantitativer Ionennachweis

Ein einfaches, aber zerstörendes Verfahren ist die Entnahme einer Baustoffprobe. Der Vorteil: Salzgehalt und Feuchte lassen sich an derselben Probe bestimmen. Die Probe muss dafür getrocknet und zerkleinert werden.

  • Bestimmung der elektrischen Leitfähigkeit des Eluats: zeigt die Gesamtbelastung, aber nicht, welche Salze vorhanden sind
  • gravimetrische Bestimmung des Eindampfrückstands: empfohlenes Verfahren für den Gesamtsalzgehalt

Qualitativer Ionennachweis mit Teststäbchen

Das Teststäbchen wird auf die Oberfläche gedrückt, der Farbindikator zeigt an, welches Ion vorhanden ist. Liegt das Salz kristallin vor, muss es zuvor mit destilliertem Wasser angelöst werden. Den Salzgehalt kann dieses Verfahren nicht bestimmen.

  • einfach und kostengünstig
  • je Ionenart ist ein eigenes Teststäbchen erforderlich
  • keine Angabe von Salzgehalten

Quantitative Verfahren (Menge)

Photometrie

Das photometrische Verfahren misst die Lichtabsorption einer Lösung und bestimmt daraus die Konzentration eines Stoffes.

So funktioniert es:

  • Farbreaktion: Ein Reagenz reagiert spezifisch mit dem gesuchten Ion und bildet einen farbigen Komplex. Die Farbintensität hängt von der Konzentration ab.
  • Lichtabsorption: Ein Photometer schickt Licht einer passenden Wellenlänge durch die Probe und misst die Absorption.
  • Konzentrationsbestimmung: Über eine Kalibrierkurve mit bekannten Konzentrationen wird die Konzentration der Probe berechnet.

Beispiel: Nitrat-Ionen bilden mit einem Reagenz eine gelbe bis orangefarbene Lösung. Aus deren Absorption wird die Nitratkonzentration berechnet.

  • einfach durchführbar, günstig und schnell
  • hohe Empfindlichkeit bei klaren Lösungen
  • Störungen durch Verunreinigungen oder gefärbte Proben möglich
  • meist nur eine Ionenart je Messung

Ionenchromatografie

Die Ionenchromatografie (IC) ist ein hochpräzises Laborverfahren zur Trennung und Analyse von Ionen in wässrigen Proben. Sie bestimmt mehrere Kationen und Anionen in einem Durchgang.

  • sehr präzise und empfindlich
  • viele Ionen in einer einzigen Analyse
  • breites Anwendungsspektrum, auch für komplexe Proben
  • teure Geräte und Wartung, geschultes Personal nötig
  • zeitaufwendiger als die Photometrie

Nasschemische Verfahren (quantitativ, Auszug)

Titration

Auch hier wird eine Baustoffprobe entnommen, fein zerkleinert und gewogen. Die Konzentration des gesuchten Ions wird mit einer Maßlösung bekannter Konzentration und einem Indikator bestimmt: Es wird so lange Maßlösung zugegeben, bis der Indikator umschlägt; aus dem verbrauchten Volumen ergibt sich die Konzentration. Das Titrationsmittel richtet sich nach dem Ion. Chlorid wird zum Beispiel argentometrisch mit Silbernitratlösung bestimmt (Verfahren nach Mohr), eine Säure-Base-Titration passt dafür nicht.

  • bevorzugt für schnelle Routineanalysen
  • gut geeignet bei moderatem Präzisionsanspruch

Gravimetrie

Bei der Gravimetrie wird der gesuchte Stoff durch eine chemische Reaktion in eine schwer lösliche Verbindung überführt. Der Niederschlag wird abfiltriert, getrocknet oder geglüht und gewogen. Aus seiner Masse wird die Stoffmenge in der Probe berechnet.

  • eingesetzt, wenn höchste Genauigkeit gefordert ist
  • nützlich, wenn keine geeignete Maßlösung für eine Titration verfügbar ist

Messung Mauerwerksfeuchte (zerstörend)

Darr-Methode

Die Darr-Methode ist das quantitative Referenzverfahren der Feuchtemessung. Eine Materialprobe wird entnommen und sofort gewogen, anschließend im Trockenschrank bis zur Massekonstanz getrocknet und erneut gewogen. Grundlage ist DIN EN ISO 12570; bei gips- oder salzhaltigen Proben wird mit abgesenkter Temperatur getrocknet, damit kein Hydratwasser mit erfasst wird. [PRÜFEN: aktuelle Ausgabe der DIN EN ISO 12570] Die Gewichtsdifferenz zwischen feuchter und trockener Probe ist die enthaltene Wassermenge.

Vorteile:

  • direkte Messung des Feuchtegehalts; das Verfahren liefert den Referenzwert, an dem alle anderen Verfahren abgeglichen werden
  • international standardisiert

Fehlerquellen:

  • Wägeungenauigkeit
  • zu lange Lagerzeit zwischen Probenahme und erster Wägung
  • Wärmeentwicklung beim Bohren, dadurch Verdunstung vor der ersten Wägung
  • Austreiben von Hydratwasser aus Salzen bei zu hoher Trockentemperatur

Calciumcarbid-Methode (CM-Messung)

Die Methode beruht auf der Reaktion von Wasser mit Calciumcarbid (CaC₂) zu Acetylengas (C₂H₂), dessen Druck gemessen wird.

  • Probenahme: Eine definierte Materialmenge wird entnommen und zerkleinert.
  • Reaktion: Die Probe kommt mit einer Glasampulle Calciumcarbid und Stahlkugeln in eine druckdichte Stahlflasche. Beim Schütteln zerkleinern die Kugeln die Probe, das Wasser reagiert mit dem Carbid zu Acetylen.
  • Druckmessung: Der Gasdruck wird am Manometer abgelesen und ist proportional zum Wassergehalt.
  • Auswertung: Über eine Kalibrierskala wird der Feuchtegehalt in Prozent bestimmt.

Messung Mauerwerksfeuchte (elektrisch)

Widerstandsverfahren

Zwischen zwei Elektroden wird ein geringer Strom durch das Material geleitet und der elektrische Widerstand gemessen. Je feuchter das Material, desto besser leitet es. Das Verfahren ist einfach und günstig, aber materialabhängig und oft invasiv, weil Elektroden eingeschlagen oder eingebohrt werden.

Einflüsse auf den Messwert:

  • Salze senken den Widerstand stark; salzbelastete Wände erscheinen feuchter, als sie sind
  • die Leitfähigkeit steigt mit der Temperatur

Kapazitives Verfahren (Dielektrizitätskonstante)

Die Dielektrizitätskonstante eines Baustoffs ändert sich mit dem Feuchtegehalt, weil Wasser eine sehr hohe Permittivität hat. Das Messgerät erzeugt ein hochfrequentes elektrisches Feld und misst die Kapazitätsänderung am Messpunkt. Das Verfahren ist zerstörungsfrei und schnell, eignet sich aber vor allem für Vergleichs- und Orientierungsmessungen.

Zu beachten:

  • materialabhängig, für belastbare Aussagen ist eine Kalibrierung auf den Baustoff nötig
  • Salze beeinflussen das Ergebnis weniger stark als beim Widerstandsverfahren

Mikrowellenverfahren

Mikrowellen werden in das Material eingestrahlt, gemessen wird Reflexion oder Transmission. Wasser dämpft Mikrowellen stark, daraus wird auf den Feuchtegehalt geschlossen. Das Verfahren misst auch in die Tiefe und ist zerstörungsfrei, braucht aber aufwendigere Auswertung.

Zu beachten:

  • Baustoffe dämpfen unterschiedlich; die Interpretation muss zum Material passen
  • Salze wirken sich nur gering auf den Messwert aus
  • je Material ist eine Kalibrierung nötig; als alleiniges Verfahren ist die Mikrowellenmessung ungeeignet

Planung von Untersuchungen

Allgemeine Struktur

  1. orientierende Begehung vor Ort
  2. Schadensaufnahme mit:
  3. Fotografien
  4. Kartierung
  5. visueller Beobachtung
  6. Prüfung archivierter Unterlagen
  7. Befragung von Nutzern, Eigentümern, Hausmeistern und Nachbarn
  8. Festlegung der Untersuchungsziele
  9. Festlegung der Untersuchungsverfahren:
  10. Planung der Probenahmen (Art, Zeitpunkt, Stellen)
  11. Planung der Analysen (welche Analyse an welcher Probe)
  12. Durchführung am Objekt und im Labor
  13. Ergebnisauswertung und Diagnose
  14. Maßnahmenplanung zur Instandsetzung

Arten von Probenahmen

Gestörte und ungestörte Proben spielen auch bei Bodenproben in der Baugrunderkundung eine Rolle; am Mauerwerk gelten dieselben Grundsätze:

Bohrkernentnahme (Diamantkrone)

  • ungestörter Bohrkern
  • Zerstörung je nach Durchmesser gering bis stark

Bohrkernentnahme (Hammerkrone)

  • gestörter Bohrkern
  • Zerstörung je nach Durchmesser gering bis stark

Spiralbohrer

  • Bohrmehl, gestörte Probe
  • geringe Zerstörung

Hammer und Meißel

  • gestörte Probe
  • Zerstörung je nach Vorgehen gering bis stark

Herausschneiden (Trennschleifer)

  • ungestörte Probe
  • starke Zerstörung

Ausbau

  • ungestörte Probe
  • sehr starke Zerstörung

Planung der Probenahme

Probenahmen sind zu planen und vorzubereiten, die Zielstellung bestimmt das Vorgehen:

  • Soll ein Feuchteprofil über die Fläche entstehen (Rastermessung)?
  • Soll ein Feuchteprofil über die Tiefe entstehen (gestufte Bohrtiefen)?
  • Wie viele Bohrungen sind nötig?
  • Wird eine ungestörte Probe benötigt?

Ursachenableitung aus dem Feuchteprofil

Das Feuchteprofil zeigt, wo das Wasser herkommt. Wer Feuchtegehalte über Höhe, Fläche und Tiefe vergleicht, kann die vier typischen Feuchtebilder unterscheiden:

  • Seitlich eindringendes Wasser (Schlagregen, Sickerwasser): Die Feuchte ist außen und in der Wandmitte hoch und nimmt zur Raumseite ab. Das Maximum sitzt dort, wo das Wasser eindringt, oft an einer umrissenen Stelle.
  • Aufsteigende Feuchte (Bodenfeuchte, Grundwasser): Die Feuchte ist unten am höchsten und nimmt nach oben gleichmäßig ab, bis zu einer erkennbaren Feuchtegrenze. Im Tiefenprofil ist der Wandkern mindestens so feucht wie die Oberfläche.
  • Hygroskopische Feuchte (Salze): Die Feuchte konzentriert sich oberflächennah in der salzbelasteten Zone und folgt der Raumluftfeuchte statt einer Wasserquelle. Hohe Salzgehalte an denselben Stellen bestätigen das Bild.
  • Kondensation (warme, feuchte Luft an kalten Oberflächen): Die Oberfläche ist feucht, die Tiefe trocken. Betroffen sind die kältesten Stellen wie Außenecken, Wärmebrücken und Kellerwände im Sommer.

In der Praxis überlagern sich die Bilder oft, etwa aufsteigende Feuchte, die Salze anreichert und so eine hygroskopische Zone hinterlässt. Genau deshalb wird das Feuchteprofil mit der Salzanalyse kombiniert.

Die vier Feuchtebilder am Mauerwerk: seitlich eindringendes Wasser, aufsteigende Feuchte, hygroskopische Feuchte durch Salze, Kondensation
Feuchtebilder und ihre typische Verteilung im Querschnitt

Auswertung der Feuchtemessung

Um die Durchfeuchtung eines Materials zu bewerten, wird der Durchfeuchtungsgrad ermittelt. Das geschieht in drei Schritten:

1. Feuchtegehalt

FG = (m_f − m_tr) / m_tr · 100 %

Legende

  • m_f: Masse der feuchten Probe
  • m_tr: Masse der getrockneten Probe (Darr-Methode)

2. Maximale Wasseraufnahme

Ein Stück derselben Probe wird bis zur Sättigung gewässert und erneut gewogen. Daraus ergibt sich der maximale Feuchtegehalt FG_max, also die freie Wasseraufnahme des Baustoffs.

3. Durchfeuchtungsgrad

DFG = FG / FG_max · 100 %

Der Durchfeuchtungsgrad sagt, wie viel des möglichen Porenraums tatsächlich mit Wasser gefüllt ist. Damit werden unterschiedliche Baustoffe vergleichbar: 10 % Feuchtegehalt sind für einen porösen Ziegel wenig, für einen dichten Naturstein viel. Als grobe Orientierung gelten Durchfeuchtungsgrade über etwa 50 % als stark durchfeuchtet. [PRÜFEN: Einordnungsschwellen mit Fachquelle belegen]

Wann ich Salz und Feuchte untersuche

Salzausblühungen, ein dauerhaft nasser Sockel oder Putz, der immer wieder abplatzt, sind typische Anlässe für ein Gutachten. Ich messe dann die Mauerwerksfeuchte im Raster und in der Tiefe, bestimme die Salzbelastung und leite daraus die Ursache ab, bevor über Sanierputz, Abdichtung oder Absalzung entschieden wird. Wo es genau werden muss, arbeite ich mit der Darr-Methode an Materialproben. So trägt jede Aussage im Schimmel- und Feuchtegutachten bis auf den Messwert zurück. Wenn Sie ein Salz- oder Feuchteproblem einordnen lassen wollen: Die kostenfreie Ersteinschätzung mit Fotos ist der einfachste Einstieg.


Falco Witschel ist Geprüfter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden (EIPOS) und Sachverständiger für Schimmel- und Feuchteschäden (EIPOS). Er begutachtet Schäden an Bestandsgebäuden in Dresden und Sachsen. Mehr über mich

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