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Bauwerksabdichtung

Stand: 24.09.2026 · Falco Witschel
Schwarze Bitumenabdichtung auf einer Bodenfläche zwischen Mauerwerkswänden
KI-generiertes Symbolbild

Wasser ist die häufigste Schadensursache am Bau, und eine versagte Abdichtung gehört zu den teuersten Baumängeln überhaupt. Dieser Beitrag erklärt, nach welchen Normen erdberührte Bauteile abgedichtet werden, was hinter den Wasserbeanspruchungsklassen der DIN 18533 steckt und wann eine Dränung zulässig ist. Er richtet sich an Eigentümer, Käufer und Verwalter, die eine Abdichtung planen, prüfen oder einen feuchten Keller verstehen wollen.

Einführung

Die häufigsten Schäden an Baukonstruktionen sind Schäden im Zusammenhang mit Wasser und Feuchte sowie deren Folgeschäden. Die Abdichtung eines Gebäudes ist auch deshalb so wichtig, weil Leckageortung und nachträgliche Abdichtung aufwendig und teuer sind. In verbauten Situationen ist eine fachgerechte nachträgliche Abdichtung ohne Rückbau konstruktiver Elemente sogar unmöglich.

Die wesentlichen Ursachen für Abdichtungsschäden sind (vgl. VHV-Bauschadenbericht [PRÜFEN: Titel und Jahr der Quelle]):

  • Verzicht auf ein Baugrundgutachten oder mangelhafte Berücksichtigung der Grundwasserverhältnisse
  • fehlende oder unzureichende Bauüberwachung während der Ausführung
  • mangelhaftes Zeitmanagement und daraus folgende Flüchtigkeitsfehler unter Zeitdruck

Welche Normen sind für die Bauwerksabdichtung relevant?

  • DIN 18195: 2017 zurückgezogen und als reine Begriffsnorm neu herausgegeben
  • DIN 18531 bis DIN 18535: Ersatz für die alte DIN 18195
  • DIN 4095: Dränung zum Schutz baulicher Anlagen; die Begriffe und Wassereinwirkungen regelt seit Juni 2026 die neue DIN 4095-1:2026-06
  • VOB/C ATV DIN 18336: Abdichtungsarbeiten
  • VOB/C ATV DIN 18338: Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten

Die Nachfolgenormen der DIN 18195 unterscheiden sich nach der Lage der Abdichtung:

  • DIN 18531: Abdichtung von Dächern sowie Balkonen, Loggien und Laubengängen
  • DIN 18532: Abdichtung von befahrbaren Verkehrsflächen aus Beton
  • DIN 18533: Abdichtung von erdberührten Bauteilen
  • DIN 18534: Abdichtung von Innenräumen
  • DIN 18535: Abdichtung von Behältern und Becken

Eine DIN 18536 für die nachträgliche Abdichtung im Bestand war einmal vorgesehen, ist aber nicht erschienen. Mehr dazu unter Häufige Fragen.

Wichtig zur Einordnung: Die Abdichtungsnormen gelten für den Neubau. Über den Normen stehen die allgemein anerkannten Regeln der Technik. Baurechtlich relevant ist, was sich in der Praxis bewährt hat, wissenschaftlich richtig ist und von der Mehrheit der Fachleute anerkannt wird. Normen haben starkes Gewicht, weil sie aus den anerkannten Regeln der Technik hervorgehen, bindend sind sie aber nicht in jedem Fall. Das gilt besonders für den Altbau und das Bauen im Bestand.

Wassereinwirkungsklassen und Wasserbeanspruchungsklassen

Mit der DIN 18533 wurde die Herangehensweise grundlegend geändert. Die alte DIN 18195 entschied maßgeblich nach dem Bemessungswasserstand, welches Abdichtungsverfahren einzusetzen ist. Die DIN 18533 klassifiziert stattdessen die Wassereinwirkung auf das Bauteil.

Seit der Ausgabe DIN 18533-1:2026-06 heißen die Klassen Wasserbeanspruchungsklassen; zuvor hießen sie Wassereinwirkungsklassen, und so wird auch heute noch überwiegend gesucht und gesprochen. Die Klassen W1-E bis W4-E bestehen weiter. Neu geregelt ist ihre Herleitung: Sie stützt sich auf die Wassereinwirkungen nach DIN 4095-1:2026-06 statt auf die frühere vereinfachte Zuordnung über den Durchlässigkeitsbeiwert. [PRÜFEN: Zuordnungstabellen der Ausgabe 2026-06 im Normtext nachvollziehen]

Relevant für die Klassifizierung sind die Wasserart und die Bodenart.

Wasserart

  • Kapillarwasser
  • Haftwasser
  • Sickerwasser
  • Stauwasser
  • Grundwasser

Zum Kapillartransport von Wasser in Baustoffen gibt es einen eigenen Beitrag.

Bodenart

  • stark durchlässig: Durchlässigkeitsbeiwert k größer 10⁻⁴ m/s
  • wenig durchlässig: k kleiner 10⁻⁴ m/s

10⁻⁴ m/s entsprechen 0,1 mm pro Sekunde. In stark durchlässigen Böden wie Sand und Kies versickert Niederschlagswasser rasch, in wenig durchlässigen Böden wie Schluff und Ton staut es sich auf.

Wasserbeanspruchungsklassen im Überblick

Klasse Beanspruchung Typische Situation
W1.1-E Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser stark durchlässiger Boden, kein Aufstau
W1.2-E Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser wenig durchlässiger Boden mit funktionierender Dränung
W2.1-E mäßige Einwirkung von drückendem Wasser Stau- oder Grundwasser, Eintauchtiefe der Abdichtung bis 3 m
W2.2-E hohe Einwirkung von drückendem Wasser Stau- oder Grundwasser, Eintauchtiefe über 3 m
W3-E nicht drückendes Wasser auf erdüberschütteten Decken Tiefgaragendecke, erdüberschüttete Kellerdecke
W4-E Spritzwasser am Wandsockel, Kapillarwasser in und unter erdberührten Wänden Sockelbereich, Querschnittsabdichtung in der Wand

Die 3-m-Grenze zwischen W2.1-E und W2.2-E bezieht sich auf die Eintauchtiefe der Abdichtung unter den Bemessungswasserstand. [PRÜFEN: Klassengrenzen gegen DIN 18533-1:2026-06]

Wasserbeanspruchungsklasse ermitteln

Schritt 1: Wasserart bestimmen

Feststellen, welches Wasser auf das Bauteil wirkt:

  • Kapillarwasser steigt in feinen Poren des Bodens und der Baustoffe entgegen der Schwerkraft auf.
  • Haftwasser ist im Boden gebundenes Wasser, das nicht absinkt.
  • Sickerwasser versickert mit der Schwerkraft nach unten.
  • Stauwasser ist Sickerwasser, das sich über wenig durchlässigen Schichten aufstaut.
  • Grundwasser steht dauerhaft im Boden an.

Schritt 2: Bodenart bestimmen

Je nachdem, wie gut der Boden Wasser durchlässt, gilt er als stark oder wenig durchlässig. Ein stark durchlässiger Boden führt zu einer geringeren Wasserbeanspruchungsklasse: Das Wasser fließt zügig ab und wirkt nur kurz auf das Bauwerk. Bei wenig durchlässigem Boden ist mit aufstauendem Sickerwasser zu rechnen, das mit geringem Druck dauerhaft am Bauwerk ansteht. Um die Klasse und damit den Abdichtungsaufwand zu reduzieren, kann eine Dränung eingesetzt werden. Sie führt das Wasser ab, bevor es sich aufstaut.

Schritt 3: Klasse bestimmen

Aus Wasserart, Bodenart und einer eventuell geplanten Dränung ergibt sich die Wasserbeanspruchungsklasse. Je schlechter das Wasser versickern kann, desto höher die Klasse und desto aufwendiger die Abdichtung. Die Zuordnung erfolgt nach den Tabellen der DIN 18533-1 auf Grundlage der Wassereinwirkungen nach DIN 4095-1.

Drückendes Wasser (W2-E)

Drückendes Wasser ist der anspruchsvollste Lastfall: Grund-, Stau- oder Hochwasser übt hydrostatischen Druck auf Wände und Sohle aus. Die Abdichtung muss als geschlossene Wanne um das Bauwerk geführt werden, wahlweise als bahnenförmige Abdichtung („Schwarze Wanne“) oder als wasserundurchlässige Betonkonstruktion („Weiße Wanne“) nach DAfStb-WU-Richtlinie. Übergänge, Durchdringungen und Arbeitsfugen entscheiden hier über Erfolg oder Schaden. Eine Dränung ist bei W2-E nicht zulässig, siehe unten. Typische Schadensbilder bei versagter Abdichtung gegen drückendes Wasser sind drückende Nässe an Sohle und Wandfuß nach Starkregen oder bei hohen Grundwasserständen.

Bemessungswasserstand

Definition nach BWK

Das Merkblatt des BWK (Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau) definiert [PRÜFEN: Merkblatt-Nummer und Jahr]:

„Der Bemessungswasserstand ist der Grundwasserhöchststand, der sich witterungsbedingt einstellen kann. Bei der Ermittlung des Bemessungsgrundwasserstandes sind die dauerhaft verbindlich festgeschriebenen und die nicht dauerhaft verbindlich festgeschriebenen wasserwirtschaftlichen Maßnahmen zu unterscheiden und mit ihren Auswirkungen auf den Grundwasserstand zu berücksichtigen.“

Quelle: BWK-Merkblatt [PRÜFEN: Nummer, Ausgabe]

Definition nach DAfStb

Die WU-Richtlinie des DAfStb (Deutscher Ausschuss für Stahlbeton) fasst den Bemessungswasserstand so:

„Der höchste innerhalb der planmäßigen Nutzungsdauer zu erwartende Grundwasser-, Schichtenwasser- oder Hochwasserstand unter Berücksichtigung langjähriger Beobachtungen und zu erwartender zukünftiger Gegebenheiten: der höchste planmäßige Wasserstand.“

Quelle: DAfStb-Richtlinie Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton (WU-Richtlinie), Ausgabe Dezember 2017 [PRÜFEN: aktuelle Ausgabe]

DIN 18533-1

Die DIN 18533-1 schließt sich diesen Definitionen im Grundsatz an und unterscheidet:

  • HGW: höchster gemessener oder zu erwartender Grundwasserstand
  • HHW: höchster Hochwasserstand

Auf den maßgebenden Wasserstand wird ein Sicherheitszuschlag von 50 cm aufgerechnet. [PRÜFEN: Begriffe HGW/HHW und Zuschlag gegen DIN 18533-1:2026-06 und DIN 4095-1:2026-06] Daraus folgt in der Praxis:

  • Liegt der Bemessungswasserstand plus Zuschlag über der Geländeoberkante, muss auch ein nicht unterkellertes Gebäude auf einem Sockel stehen.
  • Liegt der Bemessungswasserstand niedrig, gilt bis 3 m Eintauchtiefe die mäßige Einwirkung von drückendem Wasser (W2.1-E).
  • Tiefer als 3 m eingetauchte Bauteile gelten als hoch beansprucht (W2.2-E).

Wird kein Baugrundgutachten erstellt, ist der Bemessungsgrundwasserstand auf Oberkante Gelände anzusetzen. Sind Hochwasserstände bekannt, sind diese zu verwenden. Schon deshalb lohnt das Gutachten: Ohne Nachweis wird vom ungünstigsten Fall ausgegangen, und der ist teuer.

Rissklassen

Der Untergrund einer Abdichtung reißt und arbeitet. Die DIN 18533 teilt Untergründe deshalb nach der zu erwartenden Rissbildung und Rissbreitenänderung in vier Rissklassen ein. In der Ausgabe 2026-06 wurden Rissklassen und Rissüberbrückungsklassen zusammengeführt. [PRÜFEN: Klassenbezeichnungen und Grenzwerte gegen die Ausgabe 2026-06]

R1-E

Rissbildung oder Rissbreitenänderung:

  • kleiner 0,2 mm

Typische Untergründe: Stahlbeton ohne rissverursachende Zwang- und Biegeeinwirkung, Mauerwerk im Sockelbereich, Untergründe für Querschnittsabdichtungen.

R2-E

Rissbildung oder Rissbreitenänderung:

  • kleiner 0,5 mm

Typische Untergründe: geschlossene Fugen flächiger Bauteile, zum Beispiel bei Fertigteilen, unbewehrter Beton, Stahlbeton mit rissverursachender Zwang-, Zug- oder Biegeeinwirkung, erddruckbelastetes Mauerwerk, Fugen an Materialübergängen.

R3-E

Rissbildung oder Rissbreitenänderung:

  • kleiner 1 mm
  • Rissversatz kleiner 0,5 mm

Typische Untergründe: Fugen von Abdichtungsrücklagen, Aufstandsfugen erddruckbelasteter Wände.

R4-E

Rissbildung oder Rissbreitenänderung:

  • kleiner 5 mm
  • Rissversatz kleiner 2 mm

Typische Untergründe: Sonderfälle mit großen Bauteilbewegungen, die rechnerisch nachzuweisen sind. [PRÜFEN: Zuordnung der Untergründe zu R4-E nach Normtext ergänzen]

Raumnutzungsklassen

Die Raumnutzungsklassen beschreiben, welche Anforderungen die Raumnutzung an die Trockenheit der Raumluft und an die Zuverlässigkeit der Abdichtung stellt.

RN1-E

Geringe Anforderungen an die Raumnutzung:

  • Tiefgaragen
  • offene Lager

RN2-E

Übliche Anforderungen:

  • Keller in Wohngebäuden
  • Lagernutzung

RN3-E

Hohe Anforderungen:

  • Rechenzentren
  • Lager für Kulturgüter

Nutzungsklassen nach DAfStb-WU-Richtlinie

Für wasserundurchlässige Betonbauwerke („Weiße Wanne“) definiert die DAfStb-WU-Richtlinie eigene Nutzungsklassen. Sie legen fest, wie viel Feuchtetransport durch das Bauteil zulässig ist.

Nutzungsklasse A

Feuchtetransport in flüssiger Form ist nicht zulässig und durch Planungsmaßnahmen auszuschließen. Die Nutzungsklasse A betrifft insbesondere Bauteile, an die nach Errichtung kein Zugang mehr möglich ist, weil sie überbaut werden.

Nutzungsklasse B

Begrenzter Wasserdurchtritt ist zulässig (Feuchtstellen, einzelne Tropfen). Das gilt insbesondere für Bauteile, die revisionierbar sind und nach Errichtung ertüchtigt werden können.

  • Abweichende Anforderungen gehören in den Bauvertrag.
  • Sind trockene Bauteile erforderlich, sind zusätzliche bauphysikalische und raumklimatische Maßnahmen nötig.

Aufgliederung der Nutzungsklasse A gemäß DBV-Merkblatt

Das DBV-Merkblatt „Hochwertige Nutzung von Untergeschossen“ [PRÜFEN: genauer Titel und Ausgabe] gliedert die Nutzungsklasse A weiter auf:

Unterklasse Raumnutzung Raumklima Beispiele Maßnahmen
A*** anspruchsvoll warm, sehr geringe Luftfeuchte, geringe Toleranz der Klimadaten Archive, Bibliotheken, Technikräume mit feuchteempfindlichen Geräten, Lager mit stark feuchte- oder temperaturempfindlichen Gütern Wärmedämmung, Heizung, Zwangslüftung, Klimaanlage mit Luftentfeuchtung
A** normal warm, geringe Luftfeuchte, mäßige Toleranz der Klimadaten Räume für dauerhaften Aufenthalt von Menschen (Versammlungsraum, Büro, Wohnraum) Wärmedämmung, Heizung, Zwangslüftung, Klimaanlage
A* einfach warm bis kühl, normale Luftfeuchte, große Toleranz der Klimadaten Räume für zeitweiligen Aufenthalt weniger Menschen, ausgebaute Keller- und Hobbyräume, Waschküche Wärmedämmung, gegebenenfalls ohne Heizung, natürliche Lüftung
A0 untergeordnet keine Anforderungen einfache Technikräume, zum Beispiel Hausanschlussraum —

Dränung DIN 4095

Eine Dränung ist ein Entwässerungssystem, das Wasser vom Bauwerk fernhält, bevor es sich aufstauen kann. Umgangssprachlich ist auch von Drainage die Rede; die Normen verwenden durchgehend den Begriff Dränung, und so wird er auch in diesem Beitrag genutzt. Die Begriffe und Wassereinwirkungen regelt seit Juni 2026 die DIN 4095-1:2026-06; die Bemessungsregeln der alten DIN 4095:1990 gelten weiter, bis die Folgeteile erscheinen. [PRÜFEN: Stand der Teile 2 und 3 der neuen DIN-4095-Reihe]

Ein weiterer Begriff gehört hierher: der Vorfluter. Das ist das Gewässer oder die Anlage, die das abgeleitete Wasser aufnimmt, zum Beispiel ein Bach, ein Graben oder ein Regenwasserkanal. Der Schacht, der die Dränleitung an den Kanal übergibt, ist der Übergabe- oder Kontrollschacht, nicht der Vorfluter.

Dränung bei nicht drückendem Wasser

W1.1-E und W1.2-E sind die Klassen bei nicht drückendem Wasser. Bei W1.1-E ist der Boden stark durchlässig: Eine Dränung ist nicht erforderlich. Liegt jedoch ein wenig durchlässiger Boden vor, kann eine Dränung die Beanspruchung von aufstauendem Sickerwasser auf W1.2-E reduzieren. Das senkt den Aufwand der Abdichtung und damit die Baukosten. Die Dränung wird damit aber zum dauerhaften Funktionsbauteil: Fällt sie aus, steht das Bauwerk in einer höheren Beanspruchung, als seine Abdichtung leisten kann.

Unzulässig bei drückendem Wasser

Bei drückendem Wasser (W2-E), also bei ständig anstauendem Wasser oder hohen Grundwasserständen, ist eine Dränung nicht zulässig. Anschaulich: Wenn das Gebäude im Wasser steht, darf dieses Wasser nicht dauerhaft über eine Dränung in den Vorfluter und das Kanalnetz eingeleitet werden. Das wäre eine unzulässige Grundwasserabsenkung auf Dauer. In solchen Fällen ist das Gebäude gegen drückendes Wasser abzudichten.

Einstufung im Überblick

Wasserart

  • Kapillarwasser
  • Haftwasser
  • Sickerwasser
  • Stauwasser

Bodenart

  • stark durchlässig: k größer 10⁻⁴ m/s
  • wenig durchlässig: k kleiner 10⁻⁴ m/s

Ergebnis

  • stark durchlässig: W1.1-E
  • wenig durchlässig mit Dränung: W1.2-E
  • wenig durchlässig ohne Dränung: Aufstauendes Sickerwasser wirkt drückend, es gilt W2-E

Planung von Dränanlagen

Je nach Wasseranfall und örtlichen Verhältnissen wird zwischen dem Regelfall (Regelausführung nach Norm) und dem Sonderfall (Einzelnachweis) unterschieden.

Ist die Dränschicht verformbar, müssen beim Nachweis von Abfluss und Wasseraufnahme die Dicke und der Durchlässigkeitsbeiwert des Dränelements zugrunde gelegt werden. Die Werte sind abhängig von der Druckbelastung und für einen Zeitraum von 50 Jahren anzugeben.

Wird keine Planung von einem Fachplaner vorgelegt, übernimmt der Bauausführende die volle Haftung für die Gebrauchstauglichkeit der Dränanlage. Schon bei Einfamilienhäusern kann es wegen des nötigen Gefälles und der Wassermengen schwierig sein, eine funktionstüchtige Dränanlage zu errichten.

Die Regelfälle der DIN 4095 [PRÜFEN: Fortgeltung der Tabellen aus DIN 4095:1990 neben DIN 4095-1:2026-06]:

Regelfall Wand (DIN 4095 Tabelle 1)

  • Gelände: eben bis leicht geneigt
  • Boden: schwach durchlässig
  • Einbautiefe: bis 3 m
  • Gebäudehöhe: bis 15 m
  • Länge der Dränleitung: bis 60 m

Regelfall Decken (DIN 4095 Tabelle 2)

  • Gesamte Auflast: bis 10 kN/m²
  • Deckenteilfläche: bis 150 m²
  • Deckengefälle: ab 3 %
  • Länge der Dränleitung: bis 15 m
  • Gebäudehöhe: bis 15 m

Regelfall Bodenplatte (DIN 4095 Tabelle 3)

  • Boden: schwach durchlässig
  • Bebaute Fläche: bis 200 m²

Aufbau einer Dränanlage

Eine Dränanlage besteht aus mehreren Elementen: einer flächigen Dränschicht an Wand oder Sohle, die das Wasser sammelt, und den Dränleitungen, die es abführen.

Dränung mit Kies oder Schotter

  • Material: grobkörniges, wasserdurchlässiges Material wie Kies oder Schotter.
  • Aufbau: Die Körnung wird so gewählt, dass die Schicht wasserdurchlässig bleibt und Feinteile aus dem Boden sie nicht zusetzen.
  • Filtervlies: Ein Geotextil zwischen Dränschicht und Boden verhindert das Einspülen von Bodenpartikeln.
  • Funktion: Eindringendes Wasser wird gesammelt und zur Dränleitung geführt.

Dränung mit Dränmatten

  • Material: Kunststoffmatten oder -platten mit Noppen oder Kanälen zur gezielten Wasserableitung.
  • Aufbau: Sie werden direkt vor der Bauwerksabdichtung angeordnet, oft mit Vlies als Filter- und Schutzschicht.
  • Vorteile: platzsparend, leicht zu verarbeiten, zusätzlicher mechanischer Schutz der Abdichtung.
  • Funktion: schnelles, kontrolliertes Ableiten des Wassers an der Wand.

Dränleitung als Sammelleitung

  • Funktion: sammelt das Wasser aus der Dränschicht und leitet es kontrolliert ab.
  • Lage: außerhalb des Bauwerks im Kiesbett, an der tiefsten Stelle der Dränung, meist neben dem Fundament.
  • Aufbau:
  • perforierte Rohre, meist aus Kunststoff
  • die Perforation lässt das Wasser aus der Umgebung eintreten
  • eingebettet in eine Filter- oder Kiesschicht gegen Verstopfen
  • Mindestgefälle 0,5 bis 1 %
  • Typischer Einsatz: Abführung des Wassers aus großflächigen Dränungen.

Dränleitung als Hauptleitung (Ableitung)

  • Funktion: transportiert das gesammelte Wasser aus der Sammelleitung zum Entwässerungspunkt, etwa einem Sickerschacht oder dem Kanalanschluss.
  • Lage: verläuft mit Gefälle vom Gebäude weg.
  • Aufbau:
  • geschlossenes Rohr ohne Perforation, weil es kein weiteres Wasser aufnehmen soll
  • robuster ausgeführt, weil es größere Wassermengen führt
  • Abstand zwischen Reinigungs- und Kontrollschächten höchstens 50 m

Häufige Fragen

Gibt es eine DIN 18536?

Nein. Die Nummer war für eine Norm zur nachträglichen Abdichtung erdberührter Bauteile im Bestand vorgesehen, erschienen ist sie bis heute nicht. [PRÜFEN: Stand der Normungsarbeit bei DIN Media] Für Abdichtungen im Bestand wird deshalb auf die allgemein anerkannten Regeln der Technik zurückgegriffen, insbesondere auf die WTA-Merkblätter zur nachträglichen Bauwerksabdichtung, etwa das Merkblatt 4-6 zur nachträglichen Abdichtung erdberührter Bauteile. [PRÜFEN: WTA-Merkblatt-Nummer und Ausgabe]

Welche Wassereinwirkungsklasse gilt für meinen Keller?

Das entscheiden Wasserart und Boden am Grundstück, nicht das Gebäude allein. Ohne Baugrundgutachten muss vom ungünstigsten Fall ausgegangen werden: Bemessungswasserstand auf Geländeoberkante und damit drückendes Wasser. Ein Baugrundgutachten mit Angaben zu Boden und Bemessungswasserstand ist deshalb die Grundlage jeder wirtschaftlichen Abdichtungsplanung.

Wofür steht W1-I?

Die Klassen mit dem Zusatz „-I“ stammen aus der DIN 18534, der Norm für die Abdichtung von Innenräumen. W1-I bezeichnet dort eine geringe Wassereinwirkung, etwa Wandflächen über Badewannen, W3-I zum Beispiel öffentliche Duschen. Für erdberührte Bauteile gilt dagegen der Zusatz „-E“ nach DIN 18533.

Wenn der Keller schon feucht ist

Als Sachverständiger für Schimmel- und Feuchteschäden treffe ich versagte oder fehlende Abdichtungen regelmäßig an, meist als feuchte Kellerwand, Salzausblühungen oder muffigen Geruch. Bevor saniert wird, messe ich, woher die Feuchte tatsächlich kommt: von außen durch die Abdichtung, kapillar aufsteigend oder als Kondensat aus der Raumluft. Ohne diese Unterscheidung wird oft die falsche Maßnahme bezahlt. Die Befunde und Verantwortlichkeiten halte ich in einem Bauschadensgutachten fest, vor einem Hauskauf prüfe ich den Keller im Rahmen der Kaufbegleitung. Der einfachste Einstieg ist die kostenfreie Ersteinschätzung mit ein paar Fotos.


Falco Witschel ist Geprüfter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden (EIPOS) und Sachverständiger für Schimmel- und Feuchteschäden (EIPOS). Er begutachtet Schäden an Bestandsgebäuden in Dresden und Sachsen. Mehr über mich

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Schicken Sie mir ein paar Fotos. Die Ersteinschätzung ist kostenfrei, danach wissen Sie, ob sich ein Gutachten lohnt.
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